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ZUVIKZuhause, viel Kinderlachen

Das erste Taschengeld

Ronja bekommt zum ersten Mal Taschengeld. Die ersten zwei Euro sind nach zehn Minuten weg, dann sieht sie ein Spielzeugpferd. Eine Geschichte über Geld, Geduld und eine Spardose.

Es fing an der Kasse im Supermarkt an, wie so oft. Ronja, sieben Jahre alt, stand neben dem Einkaufswagen und hielt eine Packung Überraschungseier hoch. „Bitte, Mama. Nur eins.“

Kerstin schüttelte den Kopf. „Heute nicht, Ronja.“ Ronja legte die Eier zurück, nahm stattdessen ein Päckchen Sammelkarten und sah ihre Mutter mit großen Augen an. Kerstin schüttelte wieder den Kopf. Ronja zog einen Flunsch, der sich bis zum Auto hielt.

Am Abend, in der Wohnung in Essen-Rüttenscheid, erzählte Kerstin ihrem Mann Jörg davon. „Jeder Einkauf ist eine Verhandlung“, sagte sie. „Ich sage nein, sie fragt noch mal, ich sage wieder nein. Und manchmal gebe ich nach, weil ich müde bin. Und dann weiß sie, dass es sich lohnt, weiterzufragen.“

Jörg nickte. „Vielleicht ist es Zeit für Taschengeld“, sagte er. „Dann kann sie selbst entscheiden. Und wir müssen nicht mehr verhandeln.“

Zwei Euro am Samstag

Sie lasen sich in den nächsten Tagen ein, unterhielten sich mit befreundeten Eltern und schauten sich die Empfehlungen an, die Jugendämter jedes Jahr für verschiedene Altersgruppen veröffentlichen. Für Ronjas Alter erschienen ihnen zwei Euro pro Woche angemessen. Ausgezahlt sollte immer am Samstagmorgen werden, in Münzen, damit Ronja das Geld anfassen und zählen konnte.

Sie vereinbarten auch ein paar Regeln, die sie Ronja beim Frühstück erklärten. Das Taschengeld gehörte Ronja. Sie durfte selbst entscheiden, was sie damit kaufte, solange es nichts Gefährliches war. Es gab keinen Vorschuss. Und wenn das Geld weg war, war es weg, bis zum nächsten Samstag.

„Und wenn ich was ganz Teures will?“, fragte Ronja.

„Dann musst du sparen“, sagte Jörg. „Mehrere Wochen lang.“

Ronja nickte ernsthaft. Sie bekam eine Spardose, ein kleines Schwein aus Keramik mit einem Schlitz im Rücken und einem Gummistopfen am Bauch, und am ersten Samstag legte Jörg zwei Ein-Euro-Münzen in ihre Hand. Ronja betrachtete sie, als wären es Goldstücke.

Zehn Minuten am Kiosk

Die zwei Euro hielten zehn Minuten. Ronja ging mit ihrem Vater zum Kiosk an der Ecke, wo es Süßigkeiten in großen Gläsern gab, die man einzeln kaufen konnte: saure Schlangen, Lakritzschnecken, Schaumerdbeeren, Colafläschchen. Ronja suchte lange aus, ließ sich jedes Stück einzeln in eine Papiertüte füllen und zählte das Geld auf den Tresen. Auf dem Heimweg hatte sie die Hälfte schon gegessen.

Jörg sagte nichts. Er hatte mit Kerstin vereinbart, Ronjas Entscheidungen nicht zu kommentieren. Es war ihr Geld.

Am Sonntagnachmittag gingen sie zu dritt, mit Ronjas kleinem Bruder Ole, durch die Innenstadt. Im Schaufenster eines Spielzeugladens stand ein Pferd aus Kunststoff, eine braune Stute mit weißer Mähne, so lebensecht bemalt, dass Ronja davor stehen blieb wie angewurzelt. Darunter stand ein Preisschild: 8,99 €.

„Das will ich“, sagte Ronja. „Bitte.“

„Das kannst du dir von deinem Taschengeld kaufen“, sagte Kerstin.

Ronja rechnete. Sie war in der ersten Klasse und konnte bis zwanzig rechnen, wenn auch langsam. „Zwei Euro jede Woche“, sagte sie. „Dann ... dann dauert das ganz lange.“ Sie sah an sich herunter, zu ihrer leeren Jackentasche. „Und ich hab schon alles für die Süßigkeiten ausgegeben.“

Es war ein Moment, in dem Kerstin ihr am liebsten das Pferd gekauft hätte. Sie tat es nicht.

Das Warten

Die nächsten Wochen waren eine Geduldsprobe, für Ronja und ihre Eltern. Am zweiten Samstag steckte Ronja beide Münzen ins Sparschwein, ohne zu zögern. Am dritten Samstag stand sie wieder vor dem Kiosk, mit dem Geld in der Faust, und rang mit sich. „Nur einen Euro“, sagte sie zu ihrem Vater. „Und einen spar ich.“ Jörg nickte. Sie kaufte zwei Lakritzschnecken und ein Colafläschchen und steckte den anderen Euro ins Schwein.

Am Abend schüttete sie den Inhalt der Spardose auf ihr Bett und zählte. Fünf Euro. Es fehlten noch fast vier. Sie war enttäuscht. „Wenn ich am Samstag keine Lakritze gekauft hätte, wär's schon mehr.“

„Ja“, sagte Kerstin, die auf der Bettkante saß. „Das ist das Schwierige am Sparen. Man muss jetzt auf etwas verzichten, damit man später etwas Größeres bekommt.“

Ronja malte das Pferd auf ein Blatt Papier und hängte es neben die Spardose. Darunter malte sie neun Kästchen, eins für jeden Euro. Fünf davon malte sie braun aus.

Ein Streit und ein Versprechen

In der vierten Woche geriet Ronja mit Ole aneinander. Ole hatte ihr Lieblingsbuch angemalt, mit einem dicken grünen Filzstift, und Ronja hatte ihn so heftig geschubst, dass er gegen das Regal fiel und sich eine Beule holte. Jörg war wütend. „Dafür gibt es diese Woche kein Taschengeld“, sagte er, noch bevor er nachgedacht hatte.

Ronja brach in Tränen aus. Nicht wegen der Strafe für das Schubsen, sondern wegen des Pferdes. „Dann dauert es noch länger!“

Am Abend sprachen Kerstin und Jörg darüber. „Wir haben gesagt, das Taschengeld gehört ihr“, sagte Kerstin. „Wenn wir es jetzt als Strafe nehmen, wird es zu einem Belohnungssystem. Dann geht es nicht mehr ums Geld lernen, sondern ums Bravsein.“

Jörg dachte nach. Er wusste, dass sie recht hatte. Am nächsten Morgen ging er zu Ronja und sagte: „Das mit dem Taschengeld war falsch von mir. Du bekommst es am Samstag. Aber das Schubsen war nicht okay, und Ole hat sich wehgetan. Was können wir da machen?“

Ronja dachte nach. Dann ging sie zu Ole, entschuldigte sich und half ihm, ein Pflaster mit Dinosauriern auf die Beule zu kleben. Das Buch radierten sie gemeinsam, so gut es ging. Der grüne Fleck blieb. Ronja beschloss, dass er aussah wie ein Frosch.

Oma Hildegards fünf Euro

In der fünften Woche kam Oma Hildegard zu Besuch, und als sie hörte, dass Ronja auf ein Pferd sparte, steckte sie ihr heimlich einen Fünf-Euro-Schein zu. Ronja war außer sich vor Freude. Mit Omas Geld hätte sie genug gehabt.

Aber dann tat sie etwas, womit ihre Eltern nicht gerechnet hatten. Sie hielt den Schein eine Weile in der Hand, dann sagte sie: „Ich will das Pferd mit meinem eigenen Geld kaufen. Das von Oma spar ich für was anderes.“ Sie faltete den Schein zusammen und legte ihn in eine kleine Schachtel, auf die sie „Oma-Geld“ schrieb.

Kerstin sah Jörg über Ronjas Kopf hinweg an. Keiner von beiden hatte ihr das beigebracht.

Der Kauf

In der sechsten Woche, an einem Samstag im März, zählte Ronja ihr Geld zum letzten Mal. Neun Euro und zwanzig Cent, mit ein paar Münzen, die sie im Sofa gefunden hatte. Sie füllte das letzte Kästchen auf ihrem Bild braun aus.

Im Spielzeugladen legte sie das Geld selbst auf den Tresen, Münze für Münze, während die Verkäuferin geduldig wartete. Sie bekam elf Cent zurück und eine kleine Papiertüte mit der braunen Stute darin. Auf dem ganzen Heimweg hielt sie die Tüte mit beiden Händen fest.

Das Pferd bekam einen Namen, Karamell, und einen Platz auf dem Nachttisch, wo Ronja es jeden Abend ansah. Es war nicht das teuerste Spielzeug in ihrem Zimmer. Aber es war das einzige, für das sie sechs Wochen gewartet hatte.

Ein paar Wochen später, an der Kasse im Supermarkt, griff Ronja nach einer Packung Überraschungseier. Dann legte sie sie wieder zurück. „Die sind zu teuer für das bisschen Schokolade“, sagte sie zu ihrer Mutter. Kerstin musste sich ein Lachen verkneifen.

Für euren Alltag

Taschengeld ist für Kinder eine der ersten Gelegenheiten, den Umgang mit Geld zu üben. Sie lernen, Entscheidungen zu treffen, Fehlkäufe auszuhalten, auf etwas zu sparen und den Wert von Dingen einzuschätzen. Wichtig ist, dass sie dabei eigene Erfahrungen machen dürfen. Was Ronjas Familie geholfen hat:

  • Einen festen Betrag und Tag vereinbaren. Regelmäßigkeit gibt Kindern Planungssicherheit. Jugendämter veröffentlichen altersgerechte Empfehlungen, an denen sich Eltern orientieren können.
  • Bargeld für kleine Kinder. Münzen kann man anfassen, zählen und sehen, wie sie weniger werden. Das macht Geld für jüngere Kinder begreifbar.
  • Entscheidungen nicht kommentieren. Auch ein schneller Kauf von Süßigkeiten ist eine Lernerfahrung. Kinder merken selbst, wenn sie etwas bereuen.
  • Keinen Vorschuss geben. Wer warten muss, lernt Geduld und Planung. Ein Vorschuss nimmt genau diese Erfahrung weg.
  • Taschengeld nicht als Strafe oder Belohnung einsetzen. Wenn Geld an Verhalten gekoppelt wird, geht es nicht mehr ums Lernen, sondern ums Gehorchen. Fehlverhalten sollte anders besprochen werden.
  • Sparziele sichtbar machen. Ein Bild des Wunschgegenstands und ein Fortschrittsbalken helfen Kindern, durchzuhalten.
  • Geldgeschenke besprechen. Ob Geld von Großeltern zum Taschengeld zählt oder separat gespart wird, können Familien gemeinsam mit dem Kind entscheiden.

Zum Gespräch mit euren Kindern

  • Was würdest du mit deinem Taschengeld kaufen, wenn du es dir ganz frei aussuchen könntest?
  • Hast du schon einmal etwas gekauft und es danach bereut? Was hast du daraus gelernt?
  • Worauf würdest du gern sparen, und wie lange würdest du dafür warten?
  • Warum ist etwas manchmal mehr wert, wenn man selbst dafür gespart hat?

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